Geburtstraumata

Anmerkung zur Traumatherapie : die Einführung und wie ich mit Traumata arbeite, können Sie hier nachlesen.

Diese Tabelle ist nicht im Sinne eines zwanghaften “Wenn-Dann” zu verstehen! Es ist aber sinnvoll, bei manchen Symptomen an die Möglichkeit zu denken, dass sie von Geburtstraumata herrühren können.

Geburtssituationen, Traumata und mögliche Folgen

Alle Geburtstraumata können Schocks sowie Bindungsstörungen auslösen, die lebenslang nachwirken! Sie werden dann oft (unbewusst) als Muster im Leben wiederholt.

Weheneinleitende Mittel (Pitocin, Oxytocin)

Ein chemischer Eingriff, der schockierend sein kann - normalerweise leitet das Hormonsystem des Kindes die Geburt ein!

Gefühl der Dringlichkeit, Groll, übereilte Entscheidungen; Gefühl von Kontrollverlust oder Panik

Kaiserschnitt

Das Kind ist unvorbereitet, “Überfall”; wichtige Bindungshormone werden nicht ausgeschüttet; kein direkter Mutter-Kindkontakt unmittelbar nach der Geburt, weil die Mutter sich erholen muss

Trennungsängste, starkes Verlangen nach Körperkontakt; erschwerte Mutter-Kind-Bindung, erhöhtes Asthmarisiko. Probleme im Umgang mit Grenzen, Selbstwert (“Ich kann das nicht allein”)

Steißgeburt

Gefühl, stecken zu bleiben

Sitzenbleiben in der Schule

Kleinere Komplikation mit der Nabelschnur

Stottern, Halsprobleme

Frühgeburt

Übererregung, Angst, Panik (auch durch die Intensivmedizin), fehlender Hautkontakt. Ängste und Probleme der Mutter, das Kind anzunehmen übertragen sich auf das Kind (2)

Gefühl, gehetzt zu sein, nicht Schritt halten zu können, Reizbarkeit, Atemwegserkrankungen, schlechteres Sehen und Hören sowie Entwicklungsstörungen von Nerven und Gehirn eher allein lebend  (1) geringere Bildungsabschlüsse (1)

Zangengeburt, Zangenverletzungen

Berührung tut weh - wird vermieden

(u.U) Migräne (3)

Lebensgefährliche Komplikationen durch Frühgeburt, Nabelschnur, Plazenta praevia, Eklampsie

Psychische Probleme, organische Gehirnschäden

nach Emerson, William; in: Ludwig Janus (Herausgeber), Die pränatale Dimension in der Psychotherapie, 55ff; sowie Thomas Verny, Das Seelenleben des Ungeborenen. Wie Mütter und Väter schon vor der Geburt Persönlichkeit und Glück ihres Kindes fördern können, 87-102, sowie anderen Quellen; siehe auch Tietze, Henry, Botschaften aus dem Mutterleib, 130-132

(1) Hildebrandt, Sven (Hg), Wurzeln des Lebens: Die pränatale Psychologie im Kontext von Wissenschaft, Heilkunde, Geburtshilfe und Seelsorge, 161

(2) ebenda, 165-173

(3) Beispiel: Eine Frau mit Zangengeburt bekam Kopfschmerzen, wenn ihr Chef ihr Büro betrat. (Emerson, aaO, 77) Eine andere wählte sich entweder Partner, von denen sie kontrolliert wurde (direkte Wiederholung der Erfahrung mit der Geburtszange) oder solche, die sie beherrschen konnte. (sog. “projektive” Wiederholung; aaO, 60)


Es beginnt schon vor der Geburt Vorsorgeuntersuchungen und Kaiserschnitt tun Kindern Gewalt an. Zwischenruf einer Hebamme. (31,6 KB)

- Artikel aus “Publik-Forum, kritisch - christlich - unabhängig”, Oberursel, Ausgabe 182010

Wenn die Mutter sich bei der Geburt nicht genügend unterstützt fühlt, oder länger andauernde Sorgen und Ängste hat, erhöht dies die Gefahr von Geburtskomplikationen - mit negativen Folgen für das Kind.

Die Folgen von Geburtstraumata sind äußerst vielfältig. Hier einige (die freilich auch andere Ursachen haben können!) nach: Janov, Arthur, Frühe Prägungen (vergriffen, allenfalls noch gebraucht erhältlich):

auf der körperlichen Ebene:

  • Nervöser Magen,
  • Haltung von Kopf und Hals,
  • Impulsivität,
  • Übelkeit,
  • Angst vor Ersticken / Ertrinken;
  • Schwindel,
  • Angina Pectoris,
  • Asthma,
  • Kolitis,
  • Kopfschmerzen und Migräne,
  • Gelenkschmerzen,
  • Schilddrüsenstörungen,
  • Krankheiten der oberen Luftwege,
  • Sexsucht,
  • evtl. Epilepsie

auf der seelischen Ebene:

  • Alpträume (Tunnel, Kampf, keine Bremsen haben, erdrückt werden, Fallen, nicht schreien können),
  • Trennungsangst,
  • Höhenangst,
  • Angst vor Dunkelheit, vor Enge (Klaustrophobie), vor Unheil und Katastrophen,
  • Risikoverhalten (Kontraphobie),
  • Suizidalität

Beispiele

Geburtserinnerung eines Sechsjährigen:

Eine Mutter fragte ihn, ob er sich an seine Geburt erinnere. Er: “Selbstverständlich!” Sie versucht, ihre Überraschung zu verbergen und fragt ihn, an was er sich erinnere. Er hält seine Hände an seinen Kopf: “Da hat es wirklich weh getan. Dann kam ich heraus und sie gaben mich Papa. Dann kam Papa zu dir… hast Du mich lieb gehabt?” Sie erschrak. Als sie wegen des Dammschnittes genäht worden war, hatte sie solche Schmerzen gehabt, dass sie ihren neugeborenen Sohn nicht einmal ansehen konnte und ihren Mann gebeten hatte, ihn zu nehmen. Sie hatte niemand davon erzählt, weil sie sich dafür selbst hart verurteilt hatte. Dann erzählte sie ihrem Sohn die Wahrheit über dieses Ereignis. Später, als er ihr gebracht worden war, habe sie sich in ihn verliebt. Sie sagte ihm, wie leid es ihr tue, dass er sich in diesem Moment nicht von ihr geliebt fühlte. Er sagte “Ok” und wechselte das Thema.

nach: Anne McCarty, Welcoming Consciousness. Supporting Babies’ Wholeness From the Beginning of Life, 2004, S. 16

Geburtserinnerung eines Dreijährigen

Ein Dreijähriger, Vinnie, hatte große Trennungsängste, wenn er in die Vorschule (Art Kindergarten) gehen sollte. Die Mutter erinnerte sich, dass Vinnie nach der Geburt von ihr getrennt worden war und erklärte ihm die Gründe. Sofort fiel er ein und sagte “Ja, das mochte ich nicht. Ich dachte nicht, dass du zurück kommen würdest.” Ähnliche Sätze hatte er geäußert, wenn er in die Vorschule gebracht worden war. Nach diesem Gespräch hörten die Trennungsängste auf.

aaO, S. 25

Literatur (siehe auch hier )

David Chamberlain, Woran Babys sich erinnern. Über die Anfänge unseres Bewusstseins im Mutterleib

David B. Chamberlain, Windows to the Womb: Revealing the Conscious Baby from Conception to Birth - leider momentan nur auf englisch (Sollten Sie feststellen dass es zwischenzeitlich auch übersetzt ist, bin ich für ihren Hinweis dankbar!)

Cornelia Enning, Erlebnis Wassergeburt - Für werdende Eltern

Franz Renggli, Das goldene Tor zum Leben. Wie unser Trauma aus Geburt und Schwangerschaft ausheilen kann

Theresia Maria de Jong, Gabriele Kemmler, Kaiserschnitt - wie Narben an Bauch und Seele heilen können