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Was ist Gestalttherapie?

"Gestalt" ist ein Ganzheitsbegriff. Während in den Naturwissenschaften das Hauptinteresse dem Erkennen von kleinsten Teilen gilt, ist gestalthaftes Denken an der Bezogenheit der Teile zueinander interessiert. Der Gestaltpsychologe Max Wertheimer (1880-1943) u.a. wiesen nach, dass der Mensch eine Situation in ihrer Gesamtheit wahrnimmt und nicht als Ansammlung von Einzelheiten. In der Gestalttherapie werden die Gestaltgesetze therapeutisch angewandt: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile; die Teile verleihen dem Ganzen seine Bedeutung; Figur und Hintergrund sind aufeinander bezogen.

Die Gestalttherapie wurde begründet von Fritz und Laura Perls sowie Paul Goodman. Anfang der 50er Jahre formierten sie in den USA dieses Therapieverfahren aus den geistigen Grundlagen der Tiefenpsychologie, der Gestalttheorie und der Existenzphilosophie zu einer neuen Einheit.

Eine Kursteilnehmerin gab - ohne den Begriff im Sinn zu haben - nach einem Workshop eine treffende Definition von einer "offenen Gestalt": "das, was ich erledigen muss, damit es mir gut gehen kann." Wenn es erledigt ist, spricht man von einer "geschlossenen Gestalt". Unser Leben ist durchwoben von einer Vielzahl von Gestalten (oder Gestalt-prozessen).

Die Gestalttherapie betreibt kein systematisches "Graben" in der Vergangenheit, sondern arbeitet mit dem, was im jeweiligen Augenblick im Vordergrund ist. Ganzheit erreichen wir, indem wir Abgespaltenes integrieren, weniger durch Analyse. Dies geschieht, indem die Selbstregulierungstendenz des Organismus unterstützt wird.

Zentral ist die Wahrnehmung und Befreiung der Gefühle sowie die Berücksichtigung des Körpers und seiner Impulse. In jeder Sitzung geht es sowohl um geistige, emotionale als auch körperliche Vorgänge.



Weitere Kennzeichen:

Methoden (in Auswahl):


Weitere Informationen über die Gestalttherapie finden Sie bei den Gestalt-Ausbildungsinstituten.

SWR-Sendung "Das Lebensskript verändern - Fritz Perls und die Gestalttherapie"

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1Eine Anmerkung zum Familienstellen (Familienaufstellung) oder Systemstellen (Systemaufstellung): ich kenne diese Arbeitsform aus eigener Erfahrung, sowohl als Teilnehmer als auch als Beobachter. Sie kann sicher viele Einsichten bringen. Doch scheint mir, dass bei manchen "Aufstellungen nach Bert Hellinger" Prozesse (von denen man zwar hofft, dass sie im Nachhinein angeregt werden) übersprungen werden, z.B. im Blick auf das Anerkennen, "Ehren" oder Vergeben gegenüber den Personen, die uns Schlimmes angetan haben. Meine Überzeugung ist, dass diese Prozesse oft viel Zeit brauchen und dass eine vorschnelle "Ehrung" oder Vergebung mehr zudeckt als heilt. Die Gestalttherapie ist hier scheinbar im Nachteil, weil sie keine festen "Ordnungen der Liebe" beschreibt. Sie scheint mir jedoch mit der Lebenswirklichkeit und den Gefühlen der Menschen offener und flexibler umzugehen.
Wenn ich gestalttherapeutische Familienaufstellungen mache, gebe ich die Lösung nicht vor, sondern suche sie mit den beteiligten Vertretern des Systems zu erarbeiten.




© Thomas Frister, Heilpraktiker für Psychotherapie, Stuttgart