... und Jesus
Wenn man die Versuchungsgeschichte Jesu vergleicht mit der Auseinandersetzung mit den Einreden, so ergeben sich mehrere Berührungspunkte:- Auf die Einrede folgt die Gegenrede, die die Einrede entkräftet.
- Die Einreden, die Jesus hört, drücken aus, was die Leute von Jesus als Messias erwarten: Brot, den sichtbaren Erweis seiner göttlichen Macht, sowie die weltliche Macht und Herrschaft.Viele Einreden fordern uns auf, nach den Erwartungen von Menschen zu leben.
- Würde Jesus den Einreden folgen, so wäre er Sklave der Erwartungen seiner Mitmenschen, er wäre völlig fremdbestimmt.
Wer seinen Einreden widerspruchslos folgt, verliert seine Bestimmung und seine Freiheit. - Umgekehrt: wer wie Jesus die Auseinandersetzung mit seinen Einreden aufnimmt, findet seine göttliche Bestimmung und Berufung.
- Weiter findet er wie Jesus, dass seine Identität in Gott liegt und nicht in den Rollen, die er spielt bzw. den Leistungen, die er erbringt. ("Wenn Du Gottes Sohn bist, dann kannst Du..." d.h. "Wenn Du es nicht kannst, bist du es nicht." Mit gutem Grund verweigert Jesus diese Machtausübung: seine Gottessohnschaft ist davon unabhängig!)
- Die Auseinandersetzung mit den Einreden ist ein Prozess, der immer weiter geht. An dieser Stelle sind es drei Gesprächsgänge Jesu mit seinen Einreden, die uns exemplarisch überliefert werden. Dass es dann weiterging, kann man dem Vers entnehmen: "da ließ der Teufel von ihm ab eine Zeit lang."
- Es ist eine besondere Vorbereitung und Achtsamkeit nötig, um die Einreden als solche wahrzunehmen. Das wird deutlich, wenn man bedenkt, wer Jesus in die Wüste führte: es war nicht der Teufel, sondern der Heilige Geist. Dem Teufel ist nichts an seiner Entlarvung gelegen. Der Heilige Geist hingegen will, dass wir unsere Einreden entdecken und uns so unserer Bestimmung näherkommen.
Noch ein paar Bemerkungen zum "Teufel":
- Anders als die bildende Kunst verzichtet der neutestamentliche Text auf jegliche Beschreibung des Teufels (etwa als gehörntes Wesen mit Pferdefuß, das nach Schwefel riecht). Sein Wesen (oder Unwesen) ist nicht in einer Gestalt fassbar, sondern in dem, was er einflüstert, einredet. Insofern kann man "den Teufel" verstehen als Symbol für die teuflischen Einreden in uns, die uns fremd bestimmen wollen.