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Mobbing

Definition


"Mobbing in der Arbeitswelt heißt, dass wiederholt destruktive Handlungen, Grenzüberschreitungen und Ausgrenzungen über einen längeren Zeitraum gegenüber einer bestimmten Person vorgenommen werden. Dieses Verhalten wird von den Betroffenen als Angriff, Entwertung und Verletzung ihrer Person empfunden."

Informationen zu Mobbing, Uniklinik Freiburg - den ausführlichen Artikel ansehen (PDF-dokument)



Psychotherapie bei Mobbing


Mobbing ist eine traumatisierende Gewalterfahrung, mit zahlreichen möglichen seelischen und körperlichen Folgeerscheinungen und -erkrankungen.

Leider werden Mobbingfolgen häufig nicht als Trauma anerkannt. Mobbingopfern wird durch Symptomdiagnosen indirekt die Schuld für ihren Zustand zugewiesen. Dadurch werden sie erneut traumatisiert und stigmatisiert. Um diese erneute Traumatisierung zu vermeiden, ist zunächst Zuhören und Verstehen wichtig. 1

Häufig fühlen sich Menschen, die gemobbt werden, ohnmächtig und unterlegen. Sie brauchen Ermutigung und Unterstützung, sich rechtlichen und anderen Beistand zu suchen. Die Therapie soll helfen, aus der Ohnmachtsposition und den damit verbundenen Gefühlen herauszufinden.

Mobbing beinhaltet immer auch eine stark kränkende Komponente. Die Ausgrenzung, Verachtung und mangelnde Unterstützung z.B. durch Kolleginnen und Kollegen führen zu Selbstzweifeln und mindern das Selbstwertgefühl. Therapie hilft, sich gegen das Bild abzugrenzen, das die Mobber auf die gemobbte Person legen wollen.

Die existentielle Bedrohung durch Mobbing führt zu Ängsten, Wut oder Depression. So real und begründet diese Ängste auch sein mögen, sie dürfen doch nicht die Seele überschwemmen und beherrschen. Die Wut muss erfahrbar gemacht und ausgedrückt werden. Depression - oft durch nach innen gerichtete Wut und Schuldgefühle verursacht - kann in Lebenskraft verwandelt werden.

Die beim Mobbing erlittene Ungerechtigkeit kann zu Rachewünschen und zur posttraumatischen Verbitterungsstörung (Post-Traumatic Embitterment Disorder - PTED) führen.

Mobbing kann die Wiederholung eines alten Traumas (z.B. des Ausgeschlossen- oder Verlassenwerdens) sein, das tiefere Wurzeln im eigenen Leben oder im Familiensystem hat. Daher halte ich eine traumatherapeutische Herangehensweise für sinnvoll.



1"Begreift der Therapeut die Mobbingfolgen nicht als Trauma, so reagiert der Helfer psychologisch normal mit Resignation, Abwehr oder gar (unterschwelliger) Aggression und projiziert sein 'Versagen' in das Mobbingopfer, dem er ein subjektiv zu verantwortendes krankhaftes Versagen gegenüber den Mobbern unterstellt oder dem er indirekt sogar vorwirft, das Mobbing selbst provoziert zu haben. Diese Opferbeschuldigung erschüttert ein weiteres Mal das Selbst- und Weltverständnis des Mobbingopfers, wie schon im Betrieb, wo das Mobbingopfer statt Anerkennung für seine Arbeit Schikane, Ablehnung und drohenden Rausschmiss erfährt. Selbst Psychotherapeuten, sofern sie nicht in der Psychotraumatologie erfahren sind, neigen zur indirekten Opferbeschuldigung, indem sie ihr Neurosen-Know-how Psychotraumatisierten überstülpen und in der Entwicklungsanamnese nach Ursachen beim Patienten für das Mobbing suchen oder der Frage nachgehen, warum der Patient das Mobbing nicht verhindern kann. "

(Hervorhebungen von mir) Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 27 vom 06.07.01, Seite A-1811. Den ausführlichen Artikel ansehen: Ärzteblatt-Archiv



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© Thomas Frister, Heilpraktiker für Psychotherapie, Stuttgart